Kinder

1. Wie wird das Sorgerecht nach der Scheidung ausgeübt?


Das Recht der elterlichen Sorge hat sich durch das Kindschaftsrechtsreformgesetz weitreichend verändert. Die Trennung und Scheidung der Eltern führt nicht mehr zwangsläufig dazu, dass die elterliche Sorge gerichtlich geklärt werden muss. Das gemeinsame Sorgerecht der Eltern wird also nicht aufgehoben, es kann völlig unabhängig davon geregelt werden. Das bedeutet also, dass die Eltern - sofern Einigkeit besteht - das Sorgerecht gemeinsam ausüben. In der Scheidungsverhandlung vor dem Familiengericht wird über das Sorgerecht dann nicht mehr entschieden, es sei denn, es wird ein entsprechender Antrag gestellt. In der Praxis fragt der Familienrichter dann nur noch, ob die gemeinsame Wahrnehmung des Sorgerechtes funktioniert und weist sie gegebenenfalls auf die Möglichkeit des Jugendamtes hin, das dortige Beratungsangebot in Anspruch zu nehmen.

Es besteht auch die Möglichkeit das Sorgerecht nur teilweise auszuüben. Dann wird einem oder auch beiden Elternteilen nur ein Teil, z.B. das Aufenthaltsbestimmungsrecht oder die Vermögenssorge, übertragen. Im Übrigen verbleibt es dann bei der gemeinsamen Sorge.

Wenn das Kind nach der Scheidung beispielsweise bei der Mutter lebt, entscheidet sie alleine über alltägliche Fragen der Erziehung und des Umganges. In Entscheidungen, die für das Kind von erheblicher Bedeutung sind, müssen beide Elternteile gemeinschaftlich zu einer Lösung finden. Dies betrifft zum Beispiel die Frage einer bestimmten Behandlungsmethode im Falle einer schweren Krankheit.



2. Was kann man machen, wenn das Sorgerecht alleine ausgeübt werden soll?



Hierfür ist ein entsprechender Antrag beim Familiengericht notwendig. Sofern der andere Elternteil zustimmt und das Kind, sofern es das 14. Lebensjahr vollendet hat, nicht widerspricht, kommt es zu einer alleinigen Sorgerechtsausübung.

Wenn der andere Elternteil dem Antrag nicht zustimmt, so kommt es nur dann zu der Übertragung auf einen Elternteil, wenn die Übertragung zum Wohle des Kindes ist. Dies wird dann in der Scheidungsverhandlung geklärt. Für das Kindeswohl orientiert man sich an Faktoren wie der Lebensführung des Kindes, den sozialen Bindungen und natürlich dem Willen des Kindes.



3. Gestaltung des Umgangsrechtes



Das Umgangsrecht steht dem Elternteil zu, bei dem das Kind nicht oder nicht überwiegend lebt. Dies gilt auch umgekehrt, da zum Wohle des Kindes in der Regel der Umgang mit beiden Elternteilen gehört. Dies betrifft übrigens nicht nur die Eltern, sondern auch die Personen, zu denen das Kind Bindungen besitzt. Wie das Umgangsrecht ausgestaltet ist, kann sehr individuell sein. Jedes Wochenende, alle 14 Tage oder andere Zyklen sind hier denkbar. Die Fahrtkosten können übrigens steuerlich geltend gemacht werden. Bewahren Sie also alle Belege auf!